Was ist eigentlich Ergotherapie?Da diese Frage immer wieder von Laien wie von Fachleuten gestellt wird, soll hier versucht werden, sie möglichst umfassend zu beantworten. In der Ergotherapie wird zusammen mit dem Patienten mittels verschiedener Methoden und Therapiematerialien sowie durch den gezielten Einsatz ausgewählter Aktivitäten so viel Selbständigkeit und Eigenaktivität wie möglich erarbeitet. Ziel ergotherapeutischer Behandlung ist stets die Erlangung bzw. Wiedererlangung größtmöglicher körperlicher, geistiger und sozialer Selbständigkeit und gegebenenfalls eine berufliche (Wieder-) Eingliederung des Patienten. Im Mittelpunkt stehen hierbei die alltäglichen Bedürfnisse der Betroffenen. Ergotherapie gehört - wie z. B. auch Krankengymnastik und Sprachtherapie - zu den medizinischen Heilberufen. Sie "...ist eine wichtige Heilmaßnahme zur Rehabilitation Kranker und Behinderter. Unter ärztlicher Aufsicht soll sie dazu dienen, die Wiederherstellung und den bestmöglichen Gebrauch aller Funktionen von Körper und Geist zu fördern mit dem Ziel, kranken und behinderten Menschen so zu helfen, dass diese ihre beruflichen, sozialen und häuslichen Bedürfnisse erfüllen und so am Leben im umfassenden Sinne wieder teilhaben können". (aus: Dohm/Raps "Ergotherapie - Ausbildungs- und Prüfungsordnung") Auf Basis der Kenntnis von Behinderungs- und Krankheitsbildern, der normalen
Entwicklung, den Risiken von Folgeschäden etc. wird unter Berücksichtigung
der Bedürfnisse des einzelnen Patienten und nach einer differenzierten
ergotherapeutischen Befunderhebung entschieden, welche therapeutischen
Maßnahmen angezeigt sind. Die individuellen Ziele werden dabei gemeinsam
mit dem Patienten und/oder dessen Angehörigen erarbeitet, ein Behandlungsplan
erstellt und die entsprechenden Methoden und Medien ausgewählt. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Ergotherapie ist, dass der Patient und auch dessen Umfeld ernsthaftes Interesse an der Erlangung bzw. Wiedererlangung größtmöglicher Selbständigkeit und Eigenaktivität mitbringen. Ergotherapie ist in der Regel in folgenden medizinischen Fachbereichen anzutreffen: (Die folgenden Ausführungen basieren größtenteils auf dem Text, den der Deutsche Verband der Ergotherapeuten e.V. in seinen informativen Einlegeblättern zum Grundfaltblatt: Ergotherapie - Ein Weg zu mehr Selbständigkeit. gegen geringe Gebühr vertreibt.) Hierbei werden vor allem Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems (z. B. Schlaganfall, Schädel-Hirn-Verletzungen, Zuständen nach Hirnoperationen, Querschnittslähmung, Multiple Sklerose ...) behandelt.Die Behandlung dieser Patienten beinhaltet:
Ergotherapie in der Geriatrie wird bestimmt durch Erkrankungen, die durch den
Alterungsprozess bedingt, einer ständigen Veränderung unterworfen sind.Die typischen
Krankheitsbilder sind neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Morbus Parkinson,
Multiple Sklerose, dementielle Erkrankungen, wie z.B. Morbus Alzheimer, degenerative
und rheumatische Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems, Zustand nach Frakturen,
Amputationen und Tumorentfernungen, Depression, Psychosen und Neurose.
Erfahrungen mit schwerster Pflegebedürftigkeit, mit Sterben und Tod gehören in diesem Fachgebiet zum Berufsalltag der Ergotherapie und verlangen eine professionelle Reflexion von Grenzen und Möglichkeiten der Therapie. Die Berücksichtigung der spezifischen therapeutischen Möglichkeiten und die Einschätzung erreichbarer Therapieziele ist für den Erfolg der Arbeit mit dem älteren Patienten maßgeblich. Behandelt werden Patienten aller Alterstufen mit Störungen aus den Bereichen Orthopädie, Traumatologie und Rheumatologie. Dies könne sein: angeborenen Fehlbildungen des Rumpfes, der Arme und Hände, Abnutzungserscheinungen und Erkrankungen der Wirbelsäule und anderer großer Gelenke, entzündliche und degenerative Gelenkerkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis, Verletzungen von Knochen, Muskeln und Sehnen und der Nerven, Amputationen, Lähmungen von Nerven vor allem der Arme und des Rumpfes, Tumoren der Knochen, Muskeln oder NervenDie Beweglichkeit soll wieder hergestellt, die Muskulatur gekräftigt und die Geschicklichkeit und Koordination beider Hände und der einzelnen Finger normalisiert werden. In der Ergotherapie soll der Patient lernen, seine Kräfte zu nutzen und durch veränderte Verhaltensweisen und Arbeitsabläufe eine bleibende Behinderung zu kompensieren. Dieses kann auch durch Training mit speziellen Hilfsmitteln, von Ergotherapeuten angefertigten Handschienen oder Prothesen erfolgen.Ergotherapeutische Behandlung in diesem Fachbereich beinhaltet z.B.:
Körperliche Folgen der Grundkrankheit werden durch ergotherapeutischen Maßnahmen gemildert, vorhandene Fähigkeiten gestärkt. Das Ziel ist, ein Maximum an Lebensqualität zu sichern und eine größtmögliche Selbständigkeit in allen Bereichen der persönlichen, häuslichen und beruflichen Lebensführung zu erreichen. Ergotherapie in der Pädiatrie wendet sich an Kinder vom Säuglings- bis ins Jugendlichenalter, wenn ihre Entwicklung verzögert ist, sie in ihrer Selbständigkeit und Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Behinderung bedroht oder betroffen sind. Die Ursachen hierfür sind z.B. angeborene oder früherworbene Störungen des Bewegungsablaufs infolge von Hirnschädigungen oder Entwicklungsstörungen, Sinnesbehinderungen, Störungen der Wahrnehmungsverarbeitung, Störung in der Sozialentwicklung und Kommunikationsfähigkeit sowie psychische Erkrankungen und geistige Behinderungen.Übergeordnetes Ziel ist immer größtmögliche Handlungskompetenz und im Zusammenhang damit die größtmögliche Selbständigkeit des Kindes.Dazu gehört z.B.:
Behandelt wird u.a. nach den Behandlungskonzepten von Bobath, Affolter, Castillo Morales, Frostig, Ayres ...Grundsätzlich sollen alle in der Behandlung angebotenen Aktivitäten für das Kind in einem sinnvollen Handlungszusammenhang stehen. Der tatsächliche Entwicklungsstand des Kindes / Jugendlichen ist die Grundlage aller Maßnahmen. Dafür müssen die geistigen, emotionalen und körperlichen Fähigkeiten und Defizite des Kindes erfasst werden. Die Beratung der Eltern und auch die intensive Zusammenarbeit mit ihnen sowie der Austausch mit anderen, das Kind betreuenden Personen, sind unabdingbarer Bestandteil der Behandlung. Ergotherapie in der Psychiatrie behandelt Patienten aller Altersstufen mit psychotischen, neurotischen und psychosomatischen Störungen sowie mit Suchterkrankungen. Dies sind z.B. psychische Störungen im Kinder- und Jugendalter, neurotische Störungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen, Depressionen, Schizophrenien, schizotype und wahnhafte Störungen, Essstörungen, affektive Störungen, dementielle Syndrome, hirnorganisches Psychosyndrom, Störungen bei Alkohol-, Drogen-, Medikamenten- und Spielsucht.Die grundsätzlichen Ziele der Ergotherapie in der Psychiatrie sind die Entwicklung, Verbesserung und der Erhalt von:
Eine Behandlung bei psychischen Störungen ist auch angezeigt, um bei der Verarbeitung eines schwerwiegenden Krankheitsverlaufes zu helfen oder den praktischen Umgang mit einer bleibenden schweren Schädigung zu verbessern. Arbeitstherapie ist ein Behandlungsfeld der Ergotherapie, bei dem Arbeit unter wirklichkeitsnahen Bedingungen als Mittel der Therapie eingesetzt wird. Der Patient wechselt zunehmend aus der Rolle des Behandelten in die Rolle des Handelnden über.Bei Menschen, die aufgrund einer psychischen, geistigen oder körperlichen Erkrankung in ihren Arbeitsfähigkeiten und fertigkeiten beeinträchtigt sind, so dass sie einer beruflichen Tätigkeit nicht oder nur sehr eingeschränkt nachgehen können, werden arbeitstherapeutische Behandlungsverfahren angewendet.Es ist die Aufgabe des Therapeuten, die Arbeitfähigkeit des Patienten zu erreichen. Dazu schafft er die entsprechenden Rahmenbedingungen, Übungsbereiche und entwickelt Förderprogramme zur Verbesserung / Wiederherstellung von:
Zu den Aufgaben der Ergotherapie im Bereich der Arbeitstherapie gehört es, eine Arbeits- und Berufsanamnese zu erheben und ein Anforderungs- und Fähigkeitsprofil zu erstellen und realitätsorientierte Trainingsangebote und Belastungserprobungen durchzuführen.Der Ergotherapeut berät den Patienten bzgl. der Möglichkeiten der Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit oder der Wiedereingliederung in das Arbeitsleben, er betreut den Klienten an seiner (neuen) Arbeitsstelle und passt diesen Arbeitsplatz ggf. individuell an. | ||||||||